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Gesucht: Iphigenie

MUSIKTHEATER jungeMET
Eine Kooperation mit dem ensemble fraktale

 

7. – 13. Klasse [13+]
ca. 60 Min. ohne Pause

 

Komposition Dominik Vogl
Regie Jürgen Decke
Text Jürgen Decke mit Elisa Merkens und Christof Lappler
Ausstattung Andreas Wagner
Schauspiel Elisa Merkens
Musik ensemble fraktale
Marie Erndl (Blockflöte), Miria Sailer (Violine),
Sophia Schulz (Violoncello),
Christopher Kunz (Saxophon), Paul Bießmann (Tropfenklavier, Electronics),
Dominik Vogl (Gitarre)

Uraufführung 2. Juli 2019

Werkstatt-Projekt im Rahmen der Internationalen Gluck-Festspiele

In dieser GLUCK-Werkstatt wird die Geschichte der Iphigenie aus Altem und Neuem zusammengebaut. Iphigenie ist ein junges Mädchen, das eine ziemlich heftige Geschichte erlebt, in der es am Ende irgendwohin verschwindet. Lebt Iphigenie weiter oder stirbt sie?
Sie ist eine Königstochter, stammt also aus höheren Kreisen und soll verheiratet werden. So glaubt sie und folgt dem Ruf ihres geliebten Vaters und obersten Heeresführers ins Lager der Kriegsflotte. Doch statt des Traualtars erblickt sie dort den Opferaltar und muss schmerzhaft erkennen, dass ihr eigener Vater sie in eine Falle gelockt hat: sie selbst ist es, die geopfert werden soll, weil das Orakel es verlangt. Sonst gibt es keinen Wind und die Flotte kann nicht in den Krieg gegen die Feinde segeln.
Eine harte Geschichte, in der ein Kind für höhere, politische Zwecke geopfert werden soll. In unserer Werkstatt nehmen wir den Blickwinkel der Tochter ein. Den Handlungsstrang schneiden wir aus Euripides "Iphigenie in Aulis" heraus, der mit dieser Geschichte vor knapp 2500 Jahren einen Preis, eine Art "Oscar" der Stückeschreiber, gewonnen hat. Die schnellen Wendungen in der Originalgeschichte würden heutzutage gut für eine Soap oder eine Telenovela mit grotesk-komischen Zügen taugen. Und gleichzeitig verbergen sich spannende Fragen darin, die uns heute in ähnlicher Weise beschäftigen, wie die Menschen damals. Fragen nach der Selbstbestimmung des eigenen Lebens, Fragen der Macht, Fragen der Sachzwänge und Fragen nach dem Verhältnis der Generationen. Denn Kinder werden auch heutzutage geopfert und für die Interessen der Erwachsenen missbraucht. Oder ihre Lebensgrundlage wird so sehr geschädigt, dass es einer Opferung gleichkommt.

Was hat das nun mit Christoph Willibald Gluck zu tun? Nun, seine erste Oper in Paris war "Iphigenie in Aulis" (Iphigénie en Aulide, 1774), die dort schon während der Proben für großes Diskussionen sorgte, weil es Herr Gluck wagte, Gesang, Darstellung und Orchester mit seiner offenen, kritischen Meinung zu konfrontieren und damit anscheinend viele Eitelkeiten verletzte.

Für „Gesucht: Iphigenie“ hat unser Komponist, Dominik Vogl, viel Gluck gehört, gelesen und analysiert. Aber nicht um seine Musik neu zu arrangieren oder gar in die heutige Zeit zu transportieren. Nein, von Anfang an war klar, es soll eine eigenständige Musik entstehen, die einem Komponisten heute in den Sinn kommt, wenn er sich der Iphigenie annimmt.

Das musikalische Konzept ist speziell auf das seit 2016 bestehende „ensemble fraktale“ zugeschnitten, welches für dieses Projekt am Theater Pfütze gastiert.

Dominik Vogl hat dafür eine Musik komponiert, die auf dem Grad zwischen dramatischer Handlung und konzertantem Klangerlebnis entlang spielt. Melodie und geräuschhafte Ereignisse gehen Hand in Hand. Es entspinnt sich ein faszinierendes Netz, in dem sich Kopf, Bauch und Herz der Hörer·innen verfangen dürfen.

Gleichzeitig zu den musikalischen Proben entwickelten wir die szenische Anordnung und modellierten den Werkstatt-Text. Im Probenprozess, liefen viele Vorgänge parallel und durften sich gegenseitig beeinflussen.

So experimentierten wir immer wieder mit dem Verhältnis von Sprache und Musik: wie lässt sich z. B. ein nachvollziehbarer, direkter Dialog zwischen der Schauspielerin und dem Musikensemble gestalten? Funktioniert es, wenn auf der einen Seite, die Wortsprache steht und auf der anderen Seite die Musik?

Spannend ist auch der Versuch ein eigenes Instrument zu installieren, das gleichzeitig Bühnenbild, Klang und Instrument ist. Paul Bießmann, unser Mann für die electronischen Sounds hat dafür ein Tropfenklavier gebaut, das manchmal Teil der musikalischen Komposition und manchmal mehr Teil des eigentlichen Bühnengeschehens ist. Eine ganz eigene Wirkung erzeugen außerdem seine jeweils live eingefangenen Klänge, die er direkt verarbeitet und in neuer Gestalt in den Raum zurückgibt.

Nach den sehr inspirierenden und konzentrierten Tagen in der Werkstatt, freuen wir uns nun auf die Präsentation unserer Ergebnisse in den Aufführungen und sind gespannt auf ein generationsübergreifendes Werkstattpublikum. Im besten Fall öffnen sich Ohren und Geist, um eine alte, klassische Geschichte neu zu hören und zu entdecken.

Pressematerial

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Nora Böttger
Tel.: 0911 – 27 07 924
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